Feministische Ökonomie der Öffentlichen Finanzen nach der „Zeitenwende“:
Einnahmen und Ausgaben des Staates aus Geschlechterperspektive
efas Jahrestagung am Freitag, 4.12.2026
Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin, Badensche Str. 50-51
Aula 2. Stock 9.00 bis 18.00 Uhr
Das Programm finden Sie ab dem 1.10.2026 auf der efas-Homepage: efas-netzwerk.de
Anmeldungen sind ebenfalls ab dem 1.10.2026 möglich.
In Deutschland tobt eine hoch brisante und kontroverse Diskussion um die Haushaltspolitik der Regierung. Entlang der Stichworte: Sondervermögen, Schuldenbremse, Senkung der Sozial- und Erhöhung der Rüstungsausgaben einerseits und fehlender Investitionen in die öffentliche Infrastruktur, Verknappung der öffentlichen Daseinsfürsorge und mangelndem Erhalt und Ausbau der kommunalen Dienste auf der anderen Seite wird die Konfliktlinie deutlich: Welche Funktion hat ein öffentlicher Haushalt in einer Strukturkrise?
Öffentliche Haushalts- bzw. Budgetplanung ist in Zahlen gegossene Politik. Finanzielle Mittel und Ressourcen werden den politischen Zielsetzungen und damit verbundenen Maßnahmen zugeordnet. Welche Verteilungswirkung diese Entscheidungen haben, wird in Deutschland, im Unterschied zu anderen Ländern, allerdings selten untersucht.
Ins Zentrum unserer Fachtagung wollen wir die Frage nach der Geschlechtsblindheit der öffentlichen Haushalte stellen. In der Steuerpolitik und bei staatlichen Ausgaben wird selten bis gar nicht diskutiert, welche Auswirkungen diese auf die Lebensverhältnisse von Frauen und Männern haben. Dabei geht es nicht nur um den Ausbau von Kinderbetreuung, denn auch die Entscheidung, welche Verkehrswege ausgebaut werden, wie sicher öffentliche Räume gestaltet sind oder welche Infrastruktur für pflegende Angehörige zur Verfügung steht, hat unterschiedliche Auswirkungen auf die Lebensbedingungen und -führung der Geschlechter.
Nach Artikel 3 Satz 3 des Grundgesetzes ist der Staat aufgefordert die Geschlechtergerechtigkeit aktiv zu fördern. Der richtige Ort dafür ist der öffentliche Haushalt. Gender Budgeting setzt bewusst geschlechtsspezifische Ziele und fordert eine systematische Evaluierung der Wirkung von Maßnahmen ein.
Daran wollen wir bei der efas-Tagung am 4.12.2026 an der HWR Berlin mit folgenden Fragen anknüpfen:
- Was wissen finanzwissenschaftliche Expertinnen über die Verteilungswirkungen öffentlicher Haushaltspolitik?
- Welche Akteure – Bund, Länder, Gemeinden – profitieren bzw. verlieren jeweils und welche Auswirkungen hat das auf die Lebens- und Arbeitsbedingungen?
- Welche Schwerpunkte werden im aktuellen Sondervermögen gesetzt und was lässt sich daraus für dessen Gender Impacts ableiten?
- Gibt es Beispiele auf Bundes-, Länder- oder Gemeindeebene, die – trotz der restriktiven Rahmenbedingungen – zur Geschlechtergerechtigkeit beitragen?
- Können wir positive Impulse von der Europäischen Kommission und ihren Instrumenten erwarten?
- Wie bewerten wir die diversen Vorschläge, die diskutiert werden, von der Abschaffung der Mitversicherung in der Krankenkasse bis zu einer Reform des Ehegattensplittings, und was ist von der Rentenreform zu erwarten?
- Was müssen die zentralen Forderungen einer feministischen Finanz- und Steuerpolitik sein?
Als eingeladene Referentinnen sprechen Margit Schratzenstaller (Wifo Wien), Regina Frey (GiG), Irene Pimminger (defacto), Diane Elson (em. Prof. University of Essex), Ruth Pearson (em. Prof, University of Leeds), Henriette Meseke (Setup Gender Equality GbR), Camille Logeay (Prof. HTW Berlin).
Darüber hinaus wird es bei der Tagung – wie in jedem Jahr – das thematisch offene Forschungsforum geben, das insbesondere Nachwuchswissenschaftlerinnen die Möglichkeit eröffnet, laufende oder kürzlich abgeschlossene Forschungsarbeiten – entweder als Vortrag oder als Poster – zu präsentieren und zur Diskussion zu stellen.
Zudem verleihen wir den efas-Nachwuchsförderpreis für eine exzellente Abschlussarbeit im Bereich der Geschlechterforschung im wirtschaftswissenschaftlichen Kontext.
Die diesjährige efas-Tagung wird von der Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin und dem Professorinnenprogramm 2030 unterstützt. Der efas-Nachwuchsförderpreis im Andenken an die efas-Mitgründerin Prof. Dr. Angela Fiedler wird auch 2026 von der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin finanziert.


