Zur Feier des Umzugs von efas ans Harriet Taylor Mill-Institut für Ökonomie und Geschlechterforschung (HTMI) an der Hochschule für Wirtschaft und Recht (HWR) Berlin veranstalteten wir am 4.12.2025 eine Diskussion über eine notwenige Zeitenwende für eine geschlechtergerechte Wirtschafts- und Sozialpolitik. Rund 50 Frauen und einige Männer folgten unserer Einladung. Prof. Dr. Silke Bustamante, Vizepräsidentin der HWR Berlin, betonte in ihrem Grußwort: Die HWR Berlin unterstützt das efas-Netzwerk gerne und wünscht sich, dass efas zum Profil des HTMI und der Hochschule beitragen könne. Sie verwies dabei auf eine erfolgreiche Geschichte der Etablierung von Frauen- und Geschlechterforschung an der HWR Berlin.

Auf dem Podium diskutierten ausgewiesene Expertinnen in Forschung und Politikberatung: Prof. Dr. Aysel Yollu-Tok von der HWR Berlin, Prof. Dr. Miriam Beblo von der Universität Hamburg und Prof. Dr. Ute Klammer von der Universität Duisburg Essen (v.l.n.r.). Alle drei haben nicht nur gemeinsam, dass sie Volkswirtinnen sind, sondern sie wirkten auch an wichtigen Kommissionen mit, beispielsweise an Gleichstellungsberichten sowie Familienberichten und sie stehen wichtigen Verbänden und Forschungsinstituten vor.
Aysel Yollu-Tok führte in den thematischen Schwerpunkt der Veranstaltung ein, indem sie anhand der vier Ziele Wirtschaftswachstum, hoher Beschäftigungsstand, ausgeglichene Außenhandelsbilanz und Preisstabilität illustrierte, wie eine gleichstellungsgerechte Wirtschafts- und Sozialpolitik aussehen müsste und wie weit entfernt wir in den heutigen wirtschaftspolitischen Diskussionen und Entscheidungen von solchen Parametern entfernt sind. Sie warnte auch vor möglichen Rückschritten, zum Beispiel in der Sozialpolitik am Beispiel des Bürgergeldes, der Rentenreform oder der Arbeitszeitpolitik.
Die Teilnehmer:innen auf dem Podium und im Saal diskutierten, welche wirtschafts- und sozialpolitischen Handlungsfelder sie als wichtigste ansehen, und wiesen darauf hin, dass es in der gesamten Diskussion um die wirtschafts- und sozialpolitischen Herausforderungen keinerlei Bezug auf die Geschlechterdimensionen gebe. Heute wisse niemand, ob und vor allem wie sich die Investitionen im Rahmen des Sondervermögens auf die Geschlechterverhältnisse auswirken werden. Es gibt keinerlei Instrumente zur Abschätzung der Geschlechtereffekte, kein Gender Impact Assessment, keinen Gender Budgeting Prozess, der es erlaubt, dieses volkswirtschaftlich zentrale Vorhaben kritisch zu analysieren und ggf. entsprechende Korrekturen zu fordern.
Wie also gelingt eine echte Zeitenwende hin zu einer geschlechtergerechten Wirtschafts- und Sozialpolitik? Wo finden sich starke Bündnispartner*innen, und für welche Themen lassen sich gemeinsame Strategien entwickeln? Brauchen wir vielleicht einen feministischen Wirtschaftsgipfel, um diese Perspektiven zu bündeln und sichtbar zu machen? Auch diese Fragen nahmen die Podiumsteilnehmerinnen und die Anwesenden auf und es wurden Überlegungen angestellt, wann und wie sich Windows of Opportunities für Verbesserungen zum Beispiel im Bereich der Kinderbetreuung und der bezahlten und unbezahlten Care-Arbeit, der Minijobs und Arbeitszeitpolitik sowie in der Rentenpolitik ergeben. Zum Fazit der Runde gehörte, dass noch viel Arbeit erforderlich ist und efas als Netzwerk engagierter Ökonominnen dabei eine große Rolle spielen kann.

Nominiert wurden Franziska Carl (VWL HU Berlin) für ihre Masterarbeit „Not all (wo)men are equal – Within couple income inequality in the wake of Covid“, Dr. Paula Walk (VWL Universität Flensburg) für ihre Dissertation „Strengthening gender justice in a just transition. An analysis of historical coal transition processes from a feminist perspective“ sowie Hanna Weber und Magdalena Murauer (beide Wirtschaftsuniversität Wien) für ihre gemeinsame Masterarbeit „Analyse des Rekrutierungs- und Auswahlprozesses im Management des Profifußballs: Eine Fallstudie zur Besetzung einer weiblichen Direktor:in – Marke, Marketing und Sponsoring“. Aus Wien digital zugeschaltet stellten Hanna Weber und Magdalena Murauer die wichtigsten Ergebnisse ihrer Arbeit vor.
