Jahrestagung des efas Ökonominnennetzwerk 2026: Call for Papers – Einreichungen bis zum 15.9.2026

Feministische Ökonomie der Öffentlichen Finanzen nach der „Zeitenwende“: Einnahmen und Ausgaben des Staates unter dem Aspekt der Geschlechtergerechtigkeit

In Deutschland tobt eine hoch brisante und kontroverse Diskussion um die Haushaltspolitik der Regierung. Entlang der Stichworte: Sondervermögen, Schuldenbremse, Senkung der Sozial- und Erhöhung der Rüstungsausgaben einerseits und fehlender Investitionen in die öffentliche Infrastruktur, Verknappung der öffentlichen Daseinsfürsorge und mangelndem Erhalt und Ausbau der kommunalen Dienste auf der anderen Seite wird die Konfliktlinie deutlich: Welche Funktion hat ein öffentlicher Haushalt in einer Strukturkrise?

Öffentliche Haushalts- bzw. Budgetplanung ist in Zahlen gegossene Politik. Finanzielle Mittel und Ressourcen werden den politischen Zielsetzungen und damit verbundenen Maßnahmen zugeordnet. Welche tatsächliche Wirkung Verteilungsentscheidungen haben, wird in Deutschland, im Unterschied zu anderen Ländern, allerdings selten untersucht.

Ins Zentrum unserer Fachtagung wollen wir die Frage nach der Geschlechtsblindheit der öffentlichen Haushalte stellen. In der Steuerpolitik und bei den Ausgabenentscheidungen wird selten bis gar nicht diskutiert, welche Auswirkungen diese auf die Lebensverhältnisse von Frauen und Männern haben. Dabei geht es nicht nur um den Ausbau von Kinderbetreuung, denn auch die Entscheidung, welche Verkehrswege ausgebaut werden, wie sicher öffentliche Räume gestaltet sind oder welche Infrastruktur für pflegende Angehörige zur Verfügung steht, hat unterschiedliche Auswirkungen auf die Lebensbedingungen und -führung der Geschlechter.

Nach GG-Artikel 3 Satz 3 ist der Staat aufgefordert die Geschlechtergerechtigkeit aktiv zu fördern. Der richtige Ort dafür ist der Haushalt. Gender Budgeting setzt bewusst geschlechtsspezifische Ziele und fordert die Evaluierung der Wirkung von Maßnahmen ein.

Daran wollen wir bei der efas-Tagung am 4.12.2026 in Berlin mit folgenden Fragen anknüpfen:

– Was wissen finanzwissenschaftliche Expertinnen über die Verteilungswirkungen öffentlicher Haushaltspolitik?
– Welche Akteure – Bund, Länder, Gemeinden – profitieren bzw. verlieren und welche Auswirkungen hat das auf die Lebens- und Arbeitsbedingungen?
– Welche Schwerpunkte werden im aktuellen Sondervermögen gesetzt und was lässt sich daraus für dessen Gender Impacts ableiten?
– Gibt es Beispiele auf Bundes-, Länder- oder Gemeindeebene, die – trotz der restriktiven Rahmenbedingungen – zur Geschlechtergerechtigkeit beitragen?
– Können wir positive Impulse von der Europäischen Kommission und ihren Instrumenten erwarten?
– Wie bewerten wir die diversen Vorschläge, die diskutiert werden, von der Abschaffung der Mitversicherung in der Krankenkasse bis zum Ehegattensplitting?
– Was müssen die zentralen Forderungen einer feministischen Finanz- und Steuerpolitik sein?

Wir möchten auf der Tagung nicht nur eingeladene Expertinnen zu Wort kommen lassen, sondern rufen mit diesem call for papers alle Interessierten auf, Vorschläge für Kurzvorträge (10 Minuten) in Form eines Abstracts einzureichen.

Darüber hinaus wird es bei der Tagung – wie in jedem Jahr – das thematisch offene Forschungsforum geben, das insbesondere Nachwuchswissenschaftlerinnen die Möglichkeit eröffnet, laufende oder kürzlich abgeschlossene Forschungsarbeiten – entweder als Vortrag oder als Poster – zu präsentieren und zur Diskussion zu stellen.

Wir freuen uns über eingereichte Vorschläge/abstracts bis zum 15.9.2026 an info@efas-netzwerk.de

efas jetzt am HTMI angesiedelt

Seit 2025 ist sind wir als Netzwerk am Harriet Taylor Mill-Institut angesiedelt. Seit der Gründung im Jahr 2000 waren wir an der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) Berlin.

efas verfolgt das Ziel, Ökonominnen stärker zu vernetzen, feministische Perspektiven in den Wirtschaftswissenschaften zu verankern und die Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Praxis zu fördern.

Zu den zentralen Anliegen des Netzwerks gehören:

  • der regelmäßige Erfahrungsaustausch zwischen Ökonominnen und Wissenschaftlerinnen aus angrenzenden Disziplinen,
  • die Förderung von Forschungskooperationen,
  • die Unterstützung von Wissenschaftlerinnen, insbesondere Nachwuchswissenschaftlerinnen in ihrer wissenschaftlichen Laufbahn,
  • die systematische Integration geschlechtsspezifischer Fragestellungen in wirtschaftswissenschaftliche Forschung und Lehre,
  • ein interdisziplinärer Austausch zwischen Wissenschaft, Politikberatung und Praxis.

Darüber hinaus setzt sich efas für einen öffentlich sichtbaren und wirksamen Diskurs über genderspezifische Barrieren in Wissenschaft und Wirtschaft ein und orientiert sich an transparenten Gleichstellungsstandards, wie sie etwa von der Deutschen Forschungsgemeinschaft formuliert wurden.

Die Aktivitäten des Netzwerks umfassen jährliche Fachtagungen, die Ausschreibung und Verleihung des efas-Preises für Bachelor-, Masterarbeiten und Dissertationen sowie regelmäßige Informationsangebote für die Mitglieder, darunter ein Newsletter.

Ein wissenschaftlicher Ausschuss leitet und strukturiert die Arbeit des Netzwerks gemeinsam mit einer Geschäftsstelle, die nun am HTMI angesiedelt ist. Die Mitglieder wirken aktiv an der Gestaltung der Netzwerkaktivitäten mit.

„Wir freuen uns sehr, dass das Harriet Taylor Mill-Institut mit diesen beiden neuen Partnerschaften aktiv in die frauenpolitische Landschaft Berlins und das deutschsprachige Netzwerk der Ökonominnen eingebunden ist. Diese Zusammenarbeit wird unsere Arbeit bereichern und die Reichweite unserer Forschung sowie unseres Wissenstransfers deutlich erhöhen“, sagt Prof. Dr. Aysel Yollu-Tok, Direktorin des Harriet Taylor Mill-Instituts.

efas Nachwuchsförderpreis 2026

Auch in diesem Jahr möchten wir Sie herzlich dazu auffordern, herausragende wissenschaftliche Abschlussarbeiten (Bachelor- und Masterarbeiten oder Dissertationen) von Studentinnen und Absolventinnen für den efas-Nachwuchsförderpreis (in memoriam Angela Fiedler) für das Jahr 2026 einzureichen. Vorschläge von herausragenden Arbeiten durch die Gutachter*in sind dabei ebenso willkommen wie Selbstbewerbungen. Der Preis wird für Abschlussarbeiten mit der thematischen Ausrichtung auf Frauen- und Geschlechterforschung im wirtschaftswissenschaftlichen Kontext verliehen, die im Zeitraum vom 1. August 2025 bis 30. Juni 2026 abgeschlossen wurden/werden. Die Bewerbungsunterlagen senden Sie bitte dieses Jahr bis zum 30. Juni 2026 ausschließlich in elektronischer Form (eine PDF) an die efas-Geschäftsstelle.
Die Preisvergabe inklusive einer Kurzvorstellung der Arbeit erfolgt im Spätherbst bei einer Veranstaltung von efas in Berlin. Informationen zur Ausschreibung und zum Bewerbungsverfahren finden Sie auf der efas-Homepage. Die Preisträgerin hat zusätzlich die Möglichkeit, ihre Arbeit im nachfolgenden efas-Newsletter vorzustellen.
Wir freuen uns auf Ihre Vorschläge und Bewerbungen. Wenn Sie Fragen haben, wenden Sie sich bitte an die efas-Geschäftsstelle.

Allgemeine Informationen zum Nachwuchsförderpreis finden sich hier. Das Bewerbungsformular kann hier heruntergeladen werden.